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Urheimische Notizen
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70 Jahre CDU: Endlich weg mit dem unglaubwürdigen „C“

Eine 1945 neu gegründete Partei, die angesichts von Abermillionen Kriegstoter auf den Schlachtfeldern der Welt, angesichts von Millionen Holocaust-Ermordeter und angesichts der im Zweiten Weltkriege in Bombenkratern versunkenen Städte einen radikalen Neuanfang auf Grundlage christlicher-ethischer Handlungsgrundsätze forderte, feiert jetzt – siebzig Jahre später – ihren Geburtstag. Ob zu diesen Feierlichkeiten tatsächlich Anlass besteht, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Vom lebendigen Gestaltungswillen der NS-Verfolgten, der KZ-Häftlinge oder der emigrierten Deutschen, die damals wesentlich zur Parteigründung beitrugen, vom „christlichen Sozialismus“ der Anfangstage, von religiös angespornten Deutschen, die eine christlich geprägte, friedvolle, demokratische Gesellschaft erträumten, ist nach 70 Jahren CDU-Geschichte nur noch in abgelegenen Partei-Vereinigungen ohne echten Gestaltungseinfluss, z. B. vielleicht der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), etwas übrig geblieben.

Bei Konrad Adenauer beginnend, über Jahrzehnte von Helmut Kohl mitbestimmt bis zur „Vollendung“ durch Angela Merkel hat sich die Partei weitgehend von allen ihren Anfangsidealen, den christlichen Visionen einer neuen, besseren, sozialeren Welt entledigt. Übrig bleibt, wie z. B. die Kohl-Beraterin Prof. Gertraud Höhler („Die Patin“, 2012) beschreibt, nur noch das „System M“ und eine nahezu vollständig entmachtete Partei. Und völlig desillusionierte Parteimitglieder, die dies als Weg „von der Hoffnung zur Zerstörung“ beschreiben. Wobei die Marginalisierung von Parteien ein Spezifikum aller Diktaturen des 20. und 21. Jahrhunderts ist, so Höhler, auch jener auf deutschem Boden.

Für uns alle bleibt nach diesen 70 Jahren ein Deutschland übrig, das seine Träume (manche sagen auch „Illusionen“) von Freiheit, Selbst- und Mitbestimmung, sozialer Gesellschaft oder demokratischer Teilhabe mittlerweile weitgehend begraben hat. Dazu passen nicht nur die allgegenwärtigen Einflussnahmen der USA (z. B. NSA-Skandal) oder die Projektion innerer Konflikte nach außen (z. B. nach Griechenland), sondern auch das Marionetten-Theater der „Königin von Europa“, wie Merkel von Kritikern halb bewundernd manchmal genannt wird.

Auch die Komparsen des System M, die kürzlich zur Geburtstagsfeier offiziell nach Berlin eingeladen waren, vor allem jene aus den Medien oder der zweitgrößten Regierungspartei, wurde erneut ihr politisch-gesellschaftlicher Platzverweis vor Augen geführt. Als Claqueure werden sie von Merkel geschätzt, als Kritiker ausgeschieden. Genauso wie alle jene „Elemente“ der Gesellschaft, die die Schattenseiten des System Ms aufzeigen: Die Obdachlosen, die Arbeitslosen, die prekär beschäftigten Geringverdiener, die Mutter-Kind-Kleinstfamilien und so weiter – sie alle wurden nicht nach Berlin eingeladen. Das „C“ im Namen der Partei hat sich wieder einmal als billige Farce erwiesen; da hilft es auch nicht, wenn Merkel gerne beim Kirchentag auftritt und sich beklatschen lässt. „Sie behaupten Gott zu kennen, doch mit ihren Taten verleugnen sie ihn“, heißt es im Neuen Testament (Titus, 1:16). Also: Endlich weg mit dem unglaubwürdigen „C“!

Herzlichst,
Ihr
Dr. Georgios Pandalis
Glandorf, Juli 2015

Dr. Georgios Pandalis

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