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Urheimische Notizen
Website Dr. Pandalis

„An Gelehrsamkeit und jeder Art von Wissenschaft war Griechenland uns überlegen“
(aus Gespräche in Tusculum, verfasst 45 v. Chr. von Cicero, einem römischen Philosophen)

Appell
Griechenland darf nicht Wirtschafts-Interessen geopfert werden!

Seit Monaten und Jahren beherrscht das Thema Griechenland fast alle Medien. Daß der Ministerpräsident in Athen jetzt das griechische Volk über „Hilfspaket“ und „Grexit“ befragen will, empfinden westliche Politiker und Medien als politischen Affront, als bedauerlichen Vertrauensbruch, als schockierend und als die bisher größte Bombe in der jüngeren europäischen Wirtschaftsgeschichte. Soviel zur „freiheitlich-demokratischen Grundauffassung“ unserer Politiker.

Samos

Landwirtschaft wichtigster Wirtschaftszweig auf Samos © Rolf Handke, 2010 (pixelio.de, 438920)

Wo das von den Finanzinteressen großer Geldgeber diktierte Taktieren der Politiker längst zu unglaubwürdigen Verbalphrasierungen auf reflexartigem Stammhirn-Niveau verkommen ist, benötigt der griechische Souverän – die wirklichen Griechinnen und Griechen – echte Solidarität vom deutschen Souverän – den realen Deutschen. Lassen Sie uns zum Beispiel jetzt im Sommer, zur besten Reisezeit, nach Griechenland reisen! Und unsere, im Wirtschaftsverkehr mit Griechenland beim Verkauf von Panzern und anderen Rüstungsgütern, überteuerter Medizintechnik, sinnlosen Hochtechnologie-Produkten oder der Vergabe immer neuer teurer Kredite so „hart verdienten“ Euro – solidarisch – dort ausgeben. Aber nicht mit Pauschalreisen-Billigheimern, bei denen kaum ein Euro oder Cent den Griechen selbst zu gute kommt. Das schöne Land am Mittelmeer ist auch mit Auto, Fernbus oder Flugzeug zu erreichen! Auch der Kauf griechischer Waren aus heimischer Wirtschaft – dort oder hier – ist ebenfalls ein Akt von echter Solidarität.

Und: Glauben Sie nicht den vielen deutschen Medien, die entlang der Griechenland-Krise ein Horrorszenario aufgebaut haben! Die Griechenland-Krise ist von den führenden Medien Westeuropas und ihren Nachahmern in der medialen Gosse mit erzeugt. Ängstlich-verschreckte Leser erhöhen Reichweite und Einschaltquote und damit die Werbe-Einnahmen. Zudem hat die von den Medien künstlich geschaffene Weltuntergangs-Stimmung zu einer Anti-Haltung gegen Griechenland geführt, der unsere nach „Volksmeinung“ gierenden Politiker wie die Lemminge speichelleckend folgen „müssen“. Diese Stimmung hat aber nichts mit Artikel 1, Absatz 1 des Grundgesetzes – der eindringlich geforderten Unantastbarkeit der Würde von Menschen –, nichts mit Fairness und schon gar nichts mit Wahrheit zu tun. Die Zeche zahlt das an der Krise unschuldige griechische Volk. Es ist genauso Opfer von milliardenschweren Finanz-Interessen und amoralischer Wertschöpfung wie das deutsche Volk, dessen Steuerleistungen ausfallende Kredite der Großinvestoren absichern.

Natürlich sind es nicht allein die Geldgier der weltweit größten Geldgeber von griechischen Staatskrediten oder ihre Vermittler, die großen Banken, die alleine die Schuld an der Entwicklung tragen. Auch nicht die reichen Mitteleuropäer, die nur auf den endgültigen Ausverkauf Griechenlands warten. Und deren Geldgier und politischen Interessen auch schon während der griechischen Militärdiktatur (1967-74) die Augen zukneifen ließ. Natürlich gibt es auch in Griechenland selbst „Täter“ und Mitschuldige. Zum Beispiel wichtige griechische Finanzoligarchen oder die mit diesen seit Jahrzehnten eng kollaborierende griechische Politiker früherer Regierungen.

Wer sollte besser verstehen als gerade die Deutschen, daß das Mutterland europäisch-demokratischer Grundideen nach Jahrhunderten osmanischer Herrschaft, späterer Unterjochung durch Nazi-Deutschland und dann noch einer Militärdiktatur bis heute Defizite bei der Gestaltung einer modernen, demokratischen Gesellschaft hat? Auch aus diesem Verständnis kann die notwendige Solidarität und Unterstützung wachsen, die Griechenland heute dringend benötigt. Vielleicht genauso wie vor fast 200 Jahren, als viele Unterstützer aus Deutschland, Frankreich oder England das griechische Volk bei ihrem Befreiungskampf geholfen haben. Diese Hilfe und Solidarität auf persönlicher Ebene ist jetzt wieder notwendig. Helfen Sie mit, daß Griechenland ein kulturell, wirtschaftlich und politisch selbstständig agierender, gleichberechtigter Staat in unserem gemeinsamen Haus Europa bleibt! Und helfen Sie mit, daß den Griechen in diesem Haus nicht die Menschenwürde genommen wird, die unser Grundgesetz allen Menschen garantiert.

Herzlichst,
Ihr
Dr. Georgios Pandalis
Glandorf, Juni 2015

Dr. Georgios Pandalis

Anmerkung Anfang Juli 2015
In 10 Tagen 1,5 Milliarden Euro für Griechenland sammeln?

Alle „Qualitätsmedien“ haben, neben ihrer uniformen, anti-griechischen Berichterstattung nun auch noch einem jämmerlichen Schuhverkäufer aus London zu weltweiter Aufmerksamkeit verholfen: Thom Feeney, der sich selbst als „Marketing- und Vertriebsfachmann“ bezeichnet, versucht seit einigen Tagen über eine Crowd-Funding-Aktion angeblich die griechische Schuldenkrise abzumildern. Und will in 10 Tagen 1,5 Milliarden Euro über das Portal Indiegogo.com einsammeln. Geschafft hat er trotz höchster internationaler Aufmerksamkeit noch nicht einmal zwei Millionen Euro (0,1%).

Eine Garantie, das Feeney das eingesammelte Geld wirklich den Griechen zukommen lässt, gibt es nicht. Es kann damit genauso gut seinen Lebensabend finanzieren. Als Spende gilt das eingesammelte Geld aus juristischer Sicht ohnehin nicht, irgendwelche Sicherheiten für die Geldgeber gibt es keine. Nicht einmal dafür, dass sie die versprochenen Postkarten aus Griechenland oder den versprochenen griechischen Schafskäse erhalten.

Eine ernsthafte, auf Griechenland bezogene Absicht ist bei Feeney nicht zu erkennen. Selbst wenn man die kriminellen Hintergründe einiger Investoren bei Indiegogo kennt, sollte die Plattform aus heutiger Sicht nicht derartig kranke, absurde Kampagnen zulassen: 1,5 Mrd. Euro in 10 Tagen!? Die Aktion ist eindeutig ein Missbrauch der Griechenlandkrise, der in seiner kafkaesken, unseriösen Absurdität entwürdigend für das vor den medialen und politischen Pranger in Europa gestellte Griechenland ist. Am schlimmsten ist jedoch die heuchlerische, bigotte Aufmerksamkeit der Medien für diesen Fall. Es offenbart sich erneut, dass die Griechenlandkrise vor allem mediengemacht ist und – unter anderem – wesentlich zur Auflagensteigerung vieler Blätter beiträgt.

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© Dr. Pandalis Urheimische Medizin GmbH und Co. KG, 2015